Mit mehr Fahrradfahren – vor allem, wenn es kurze Fahrten mit dem Auto ersetzt – könnte jede und jeder von uns zum Erreichen der Ziele 9 (Infrastruktur), 11 (Städte), 3 (Gesundheit) und 13 (Klimawandel) beitragen. Wer täglich nur 3km Autostrecke durch Radfahren ersetzt, kann dabei ¼ Tonne CO2 im Jahr einsparen (Hier gibt es ein Tool, das einem die persönlichen und Umweltvorteile der eigenen Fahrradstrecke berechnet.) Obwohl Fahrrad fahren so sinnvoll ist, ist Deutschland aber noch kein Fahrradland - Bisher!

##Fahrradsituation in Deutschland Laut Verkehrsministerium werden 10% aller Wege in Deutschland mit dem Rad zurückgelegt (Modal Split). Zum Vergleich: in Dänemark liegt der Anteil bei 18% und in den Niederlanden sogar bei 27%. Die Anzahl der Fahrräder scheint bei diesem Unterschied nicht der ausschlaggebende Faktor zu sein, in einigen Bundesländern gibt es sogar mehr Fahrräder als Menschen. Eine Studie im Auftrag des Verkehrsministeriums zeigt, dass 83% der Befragten sich eine stärkere Beschäftigung der Politik mit dem Thema Radverkehr auf kommunaler Ebene wünschten. Nur 12% stuften die Bundesregierung und 19% ihre Landesregierung als fahrradfreundlich ein. Hier besteht also eindeutig Nachholbedarf. Allerdings liegt die Verantwortung für eine fahrradfreundliche Politik nicht in erster Linie bei der Bundesregierung. Die kann nur über Rechtssetzung in der Straßenverkehrsordnung, durch Imagekampagnen und durch punktuelle Zuschüsse Einfluss nehmen. Daher ist es auch schwierig, einen Indikator für die Fahrradpolitik der Bundesregierung zu entwickeln. Die meisten Entscheidungen zum Fahrrad Verkehr werden von den Kommunen getroffen, beispielsweise im Bezug auf Investitionen. Die Investitionen in die Fahrradinfrastruktur sind in einigen deutschen Städten extrem gering. Berlin beispielsweise investierte 2013 ca 1,40€ pro Kopf, während der Wert in Amsterdam bei fast 27€ liegt. Die niederländische Stadt Groningen schießt in Sachen Fahrradinvestitionen und -politik den Vogel ab: dort werden jährlich 105€ pro Einwohner ausgegeben und der Verkehr wird zu 60% mit dem Fahrrad zurückgelegt. Sogar für den häufigen Regen gibt es dort Vorkehrungen: Nässesensoren sorgen dafür, dass Ampeln bei Regen für Radfahrer schneller umspringen – Autofahrer sitzen ja im Trockenen und können deswegen länger warten. Die Fahrradstadt Groningen ist natürlich ein teures Projekt, aber das Problem ist nicht immer, dass zu wenig Geld vorhanden ist, um die Fahrradinfrastruktur sinnvoll auszubauen. Der Tagesspiegel berichtete, dass Verkehrsminister Dobrindt 2017 25 Mio € im Bundeshaushalt für die Radverkehrsförderung vorgesehen hat. Um diese Förderung zu bekommen werden konkrete Pläne und Machbarkeitsstudien verlangt. Diese wurden im Ruhrgebiet schon vor zwei Jahren in Auftrag gegeben, erste Mittel flossen und Abschnitte des ersten Radschnellwegs RS1 sind bereits fertig gestellt. In Berlin hingegen hat der Senat lange gebraucht um aktiv zu werden – so wird das mit der Bundesförderung wohl auch noch eine Weile dauern.

Obwohl wir in unserem Monitoring keinen Fahrrad-Indikator haben, sollten wir das Fahrradfahren und seinen Beitrag zur Nachhaltigkeit nicht vergessen. Viele deutsche Kommunen können sich bestimmt von ihren Nachbarn inspirieren lassen. Spätestens aber 2017, wenn wir das Monitoring der Nachhaltigkeitsagenda auf kommunaler Ebene angehen, werden wir wieder nach einem Radfahrindikator suchen.